Kreisgruppe Wolfsburg

Interview - Neue Wege bei der Grünflächenpflege in Wolfsburg

 

Interview mit Waltraud Barkmann-Hoppe, ehemalige Leiterin der Abteilung Grünflächenpflege und Friedhöfe im Geschäftsbereich Grün der Stadt Wolfsburg.

 

BUND Wolfsburg: Liebe Frau Barkmann-Hoppe, Sie sind seit Anfang dieses Jahres im Ruhestand. Wie lange haben Sie beim Geschäftsbereich Grün der Stadt Wolfsburg gearbeitet?

Waltraud Barkmann-Hoppe: Ich habe die Leitung der Abteilung Grünflächenpflege und Friedhöfe im Geschäftsbereich Grün im Juli 2010 übernommen. Vorher war ich für 10 Jahre die Abteilungsleiterin der Abteilung Allgemeine Dienste, Waren und Logistik, zu der unter anderem die Poststelle, die Druckerei und die Kantine, aber auch der zentrale Einkauf gehören.

BUND Wolfsburg: 2020 konnte man einige Neuerungen bei der Pflege der Wolfsburger Wiesen beobachten. Hat der Geschäftsbereich Grün ein neues Pflegekonzept?

Waltraud Barkmann-Hoppe: Der Geschäftsbereich Grün verantwortet die Unterhaltung von mehr als 1.000 ha Grünflächen unterschiedlicher Art im Gebiet der Stadt Wolfsburg. Dazu kommen noch ca. 80 ha Friedhofsflächen. Die Flächen sind je nach Nutzungszweck sehr unterschiedlich strukturiert und in der Unterhaltung ist zunächst die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Weitere Anforderungen ergeben sich aus der Lage, der Größe, der Struktur und auch aus dem Bewuchs der Flächen. Unter Beachtung dieser Anforderungen und im Rahmen der verfügbaren Personal- und Sachmittel hat der Geschäftsbereich Grün die Verantwortung für eine umweltschonende, klimagerechte und insektenfreundliche Grünflächenunterhaltung angenommen. Aus der Vielfältigkeit ergibt sich jedoch, dass nicht ein Konzept, sondern mehrere auf unterschiedliche Anforderungen abgestimmte Teilkonzepte erforderlich sind. Ein erheblicher Teil der bewirtschafteten Flächen ist tatsächlich als Wiese oder, um in der grünen Sprache zu bleiben, als Landschaftsrasen gestaltet und wird mit landwirtschaftlichen Geräten bearbeitet. Dies ist der Teil, für den wir die Mäharbeiten auf schonendere Balkenmähwerke umstellen oder schon umgestellt haben und die Mahd an zwei Zeitpunkten im Abstand von acht Wochen vornehmen, um Verstecke und Nahrungsgrundlagen für die Tierwelt zu erhalten. Hier wird in den folgenden Jahren noch nachgesteuert werden müssen, wir haben schließlich erst 2020 damit begonnen und sammeln noch Erfahrungen. Wir arbeiten aber auch an vielen anderen Maßnahmen. So benutzen wir Unkrautvernichtungsmittel bereits seit mehreren Jahren nicht mehr. Zu dieser Maßnahme passt auch, dass wir die im Frühsommer auftretenden Nester des Eichenprozessionsspinners konsequent absaugen und auf Maßnahmen verzichten, die auch andere Insekten schädigen. Zu nennen sind auch die insektenfreundlichen Aussaaten und Zwiebelpflanzungen, die wir in jedem Jahr erweitern (allein im Herbst 2020 haben wir weitere 25.000 Blumenzwiebeln neu gepflanzt). Weiterhin die konsequente Pflanzung von insektenfreundlichen Stauden, Sträuchern und Bäumen, wo dieses möglich und mit unseren Kapazitäten umsetzbar ist.

Ein besonderes Augenmerk haben wir 2020 auch auf Nisthilfen für Vögel gelegt und weitere 100 Nistkästen in vielen Flächen ergänzt. Alle vorhandenen Nistkästen in unserer Verantwortung wurden dokumentiert und werden regelmäßig gereinigt. Aber auch neue Streuobstwiesen, wie auf dem Nordfriedhof, werden angelegt. Für 2021 haben wir uns außerdem vorgenommen, Wildbienen vermehrt auch durch Baumaßnahmen zu unterstützen. Sandflächen sollen angelegt und eine Vielzahl von Insektenhotels gebaut und an geeigneten Flächen aufgestellt werden.

BUND Wolfsburg: Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Wolfsburgs Grünflächen?

Waltraud Barkmann-Hoppe: Ich wünsche mir, dass die begonnenen Maßnahmen auf den Grünflächen der Stadt Wolfsburg konsequent fortgesetzt werden, dass aber auch andere Grundstücksbesitzer erkennen, dass wir alle verpflichtet sind, unsere Flora und Fauna zu erhalten oder sogar die Situation zu verbessern. Jeder, der einen Schottergarten anlegt, wird dieser Verpflichtung nicht gerecht. Vielmehr trägt er zur Verschlechterung der Lebensbedingungen und zur Erwärmung der Temperaturen in der Stadt bei. Immer wieder wird der Geschäftsbereich Grün auch mit der Tatsache konfrontiert, dass Bäume unerwünscht sind, weil sie Baumaßnahmen behindern oder ihr Laub die Anlieger belastet. Hierzu wünsche ich mir, dass jeder auch die Vorteile dieser Bäume erkennt: Einerseits produzieren sie den Sauerstoff, den wir alle atmen, und andererseits tragen sie zur Reduzierung hoher Temperaturen in der Stadt bei. Ich wünsche mir, dass jeder bereit ist, sich für den Erhalt dieser Bäume einzusetzen. Zuletzt wünsche ich mir für meine Kolleg*innen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt und nicht durch Vandalismus oder einfach durch das Wegwerfen von Müll erschwert wird. Die freiwerdenden Kapazitäten könnten für Maßnahmen zur Förderung der Insektenvielfalt sinnvoller eingesetzt werden.

BUND Wolfsburg: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an den bevorstehenden Ruhestand denken?

Waltraud Barkmann-Hoppe: Auch privat befasse ich mich mit den gleichen Themen und versuche Schritt für Schritt, unser 1.500 m² Grundstück insektenfreundlicher zu gestalten. Um hier noch besser zu werden, beginne ich demnächst mit einem thematisch passenden Fernstudium. Ich freue mich sehr, hierfür im Ruhestand auch die nötige Zeit zu haben. Außerdem erwarten wir ein neues Enkelkind und ich denke, dass ich für meine dann 3 Enkelkinder mehr Zeit haben werde. Hoffentlich freuen sich dann die Enkelkinder und deren Eltern auch darüber.

BUND Wolfsburg: Frau Barkmann-Hoppe, wir danken Ihnen für das Interview.