Kreisgruppe Wolfsburg

Umweltfrevel: Nordzucker informiert über Aussaat mit bienenschädlichem Neonicotinoid in Wolfsburg

Die Nordzucker AG hat bekanntgegeben, dass u.a. in Wolfsburg mit der Aussaat von Zuckerrüben begonnen wurde, deren Saatgut mit dem Wirkstoff Thiamethoxam behandelt wurde, einem für Wild- und Honigbienen sowie Hummeln extrem giftigen Neonicotinoid.

Bereits 2013 haben die Behörden die extreme Giftigkeit dieses Wirkstoffes für Bienen und Hummeln bestätigt. Er ist bis zu 5000 - 10.000 mal schädlicher als bekannte Pflanzenschutzmittel und baut sich nur sehr langsam ab. Er kann unter Umständen noch Monate bis Jahre nach Ausbringung absolut tödlich für alle Insekten sein. Zudem ist nachgewiesen, dass Grund- und Oberflächenwasser mit den toxischen Abbauprodukten kontaminiert werden können. Dort schädigt das Gift Kleinstlebewesen und zerstört somit die Nahrungskette an der Basis.
Eine anerkannte Studie zeigt zudem auf, dass es einen Zusammenhang zwischen dem dramatischen Rückgang der Wiesen- und Feldvogelarten (bis minus 90%) in den letzten 20-30 Jahren und der Einführung von Neonics in der Landwirtschaft geben kann.

Auch wenn Bayer, Syngenta und Co. mit allen Mitteln vor Gericht versucht haben, das Verbot des Neonics zu verhindern, hat die EU im Jahr 2018 auf Grundlage wissenschaftlicher Fakten endlich die Nutzung untersagt. Doch dieses Insektengift darf nun erneut ‐ wider besseren Wissens ‐ über den Weg einer sogenannten Notfallzulassung in Wolfsburger Böden ausgebracht werden.

Begründet wird dieser Schritt mit der Bekämpfung eines durch Blattläuse übertragenen Virus. Für die Anwendung gelten hohe Auflagen. So dürfen u.a. im Folgejahr keine Blühpflanzen auf den entsprechenden Flächen angebaut werden.

Doch rechtfertigt dies den Einsatz eines der schädlichsten und von der EU verbotenen Giftes, welches der Mensch jemals für die Landwirtschaft bereitgestellt hat - und bei dem zwei gebeizte Körner ausreichen würden, um einen Vogel zu töten? Die Antwort muss klar lauten: "Nein"!

Das Verbot dieses Giftes hat seinen guten Grund. Verbote durch Notfallzulassungen zu umgehen, fördert weder Innovationen bzw. Investitionen in nachhaltige Alternativen, noch stärkt es das Vertrauen in die kommerzielle Landwirtschaft.

Einmal mehr wird deutlich, dass sämtliche Bemühungen, dem Artenschwund entgegen zu wirken, von Lobbyisten der Agrarindustrie konterkariert werden. Der Bürgerwunsch nach mehr Arten- und Naturschutz wird, wenn nötig, durch sogenannte Notfallzulassungen umgangen.

Das Vorgehen hat mittlerweile System und ist keineswegs mehr ein Einzelfall. In anderen EU-Staaten wurden ebenfalls Notfallzulassungen erteilt. Auch suchen Lobbyisten bereits nach Möglichkeiten, Maßnahmen aus dem jüngst mit den Bürgern gemeinsam ausgehandelten „Niedersächsischen Weg" zu umgehen.

Wir fordern die Stadt Wolfsburg und die Politik auf, die zukünftige Ausbringung von verbotenen Substanzen auf verpachteten Ackerflächen, die sich im Eigentum der Stadt Wolfsburg befinden, sofort und ausnahmslos zu verbieten. Zudem bitten wir alle Landwirte, auf das Ausbringen von Saatgut zu verzichten, welches mit verbotenen Neonicotinoiden behandelt wurde - auch wenn eine offizielle Notfallzulassung vorliegt und sich der Landwirt somit im rechtlich einwandfreien Rahmen bewegt.

Wir weisen explizit darauf hin, dass sich unsere Kritik nicht generell gegen die Bemühungen der Landwirte für mehr Nachhaltigkeit richtet. Diese ernähren uns und sind wirtschaftlich oftmals vollständig von ihrer Arbeit abhängig. Die Kritik richtet sich an die "Entscheider-Ebene" darüber, die sich dank ihrer Lobbyarbeit erfolgreich für ein "weiter so wie immer" einsetzt und die Sorgen und Nöte insbesondere kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe dabei bewusst ignoriert.