Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio

Streuobstwiesen als Lebensraum

Die Streuobstwiese gehörte einst zur traditionellen bäuerlichen Kulturlandschaft, bei der hochstämmige Obstbäume verschiedener Arten und Sorten sowie unterschiedlichen Alters vereinzelt (80-120 Bäume pro Hektar) auf einer der Heugewinnung dienenden Mähwiese oder auf einer Viehweide stehen. Seit den 1950er Jahren ist die Fläche der ursprünglichen Streuobstwiesen in Deutschland um 70 % zurückgegangen und den heutigen Plantagen mit ca. 3.000 niederstämmigen Obstbäumen pro Hektar gewichen.

Streuobstwiesen bieten vielfältige ökologische Nischen für zahlreiche Tierarten wie zum Beispiel dem Steinkauz, dem Siebenschläfer sowie vielen Insekten. Sowohl die einzelnen Stockwerke der Obstbäume als auch die verschiedenen Schichten der Wiese beherbergen zahlreiche Lebensgemeinschaften, die über Nahrungsketten miteinander verbunden sind. Eine extensive Nutzung und Pflege ohne künstlichen Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel ist wichtig, damit diese empfindlichen ökologischen Wechselbeziehungen nicht beeinträchtigt oder sogar zerstört werden.

Streuobstwiesen spielen als einer der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas eine große Rolle bei der Vernetzung von naturnahen Lebensräumen in einer von intensiver Nutzung und Monokulturen geprägten Landschaft.

Wildbienen

Unter dem Begriff Wildbienen werden alle wildlebenden Bienenarten (Seiden-, Masken-, Sand-, Furchen-, Schmal-, Mauer-, Woll- und Pelzbienen sowie Hummeln) zusammengefasst. Die Honigbiene gehört dagegen nicht zu den Wildbienen, sondern zu den Nutzbienen.

Anhand ihrer Lebensweise kann man drei Gruppen von Wildbienen unterscheiden:

  • Solitärbienen: die Weibchen bauen ihre Nester und versorgen ihre Brut allein
  • Soziale Bienen: die Mitglieder der Gemeinschaft leben in enger Beziehung zueinander
  • Parasitische Bienen: diese „Kuckucksbienen“ lassen ihre Brut von anderen Bienen aufziehen 

Wildbienen leben in einem Komplex aus verschiedenen kleinen Lebensräumen (Habitaten). Sie benötigen ein Nahrungshabitat mit Blütenpflanzen als Nektar- und Pollenquelle, ein Nisthabitat und ein Habitat, in dem sie Nistmaterialien finden. Diese Teil-Lebensräume dürfen nicht weit voneinander entfernt sein, da Wildbienen nur wenige hundert Meter weit fliegen. Je nach Wildbienenart können die Ansprüche an die Lebensräume sehr unterschiedlich sein.

Für einen tieferen Einblick in das Leben der Wildbienen empfehlen wir den Dokumentarfilm Biene Majas wilde Schwestern.

Foto: angieconscious / pixelio

Nisthilfen für Wildbienen

Da Wildbienen für die Bestäubung der Obstbäume unerlässlich sind, bietet es sich an, Nisthilfen auf einer Streuobstwiese zu installieren. Im Folgenden werden verschiedene Nisthilfen vorgestellt.

Bodennister

Ca. 75% der einheimischen Wildbienenarten nisten im Boden, wie z.B. die Sandbienen. Es empfiehlt sich, an nicht bewachsenen Bodenflächen den Humus abzutragen und mit ungewaschenem (!) Sand aufzufüllen. Die Sandschicht sollte mindestens 30 cm dick sein. Besonders eignen sich dafür die Bereiche, die gut vor Feuchtigkeit geschützt sind. Sandbeete, die mit Totholz umrandet sind, bieten ebenfalls einen Lebensraum für erdbewohnende Wildbienen.

Totholzbewohner

Einige Blattschneiderbienenarten legen ihre Nistgänge in morschem aber noch festem Holz an. Ein abgestorbener Obstbaum bietet nicht nur Wildbienen sondern auch vielen anderen Tieren einen wertvollen Lebensraum. Die nach dem Baumschnitt anfallenden Äste können an einem sonnigen, vor Wind und Feuchtigkeit geschützten Ort aufgeschichtet werden.

Hohlraumbesiedler

Mit einer Nisthilfe für Hohlraumbewohner lassen sich z.B. Mauerbienen anlocken. Beim Erwerb oder Bau eines „Insektenhotels“ ist Folgendes zu beachten.

Hartholz mit Bohrlöchern

Am besten eignet sich das Holz von Buche, Esche, Erle oder Obstbäumen (kein Nadelholz!). Es muss 1-2 Jahre alt, abgelagert, gut getrocknet, entrindet und unbehandelt sein. Das Holz darf nicht splittern, da sich sonst Pilze und Parasiten ansiedeln. Baumscheiben sind also ungeeignet. Gebohrt wird deshalb in das Längsholz. Die Bohrlöcher sollten verschiedene Durchmesser von 2-9 mm haben und 8-10 cm tief sein. Am häufigsten werden Löcher mit 3-6 mm Durchmesser besiedelt.

Hohle Pflanzenstängel

Vor allem Bambus- und Schilfhalme mit einem Innendurchmesser von 2-9 mm haben sich bewährt. Um saubere Schnittkanten zu erhalten, können Sie die Halme über Nacht in Wasser einweichen, bevor Sie sie in 10-12 cm lange Abschnitte zuschneiden und mit Gips oder Bienenwachs auf der Rückseite verschließen.

Markhaltige Pflanzenstängel

Außen an der Nisthilfe können Sie markhaltige Pflanzenstängel von Brombeere, Himbeere, Heckenrose oder Königskerze anbringen. Achten Sie darauf, dass die Stängel senkrecht oder schräg nach oben (auf keinen Fall waagerecht) befestigt sind und das Mark freiliegt.

Wichtig!

Die Rückwand muss geschlossen, die Löcher vor der ersten Besiedlung von innen sauber und die Lochränder glatt sein (Wildbienen parken rückwärts ein, um den Pollen abzustreifen). Für die spätere Reinigung der Löcher vor der nächsten Besiedlung sorgen die Wildbienen selbst!

Materialien wie Stroh, Zapfen, Holzschnitzel sowie Lochsteine sind nutzlos und werden von Wildbienen nicht besiedelt. In luftdichten Plastikröhrchen verschimmelt die Brut.

Zum Schutz der Bienenbrut vor Vögeln empfiehlt es sich, Maschen- oder Kaninchendraht mit einem Abstand von 5-10 cm zur Nisthilfe anzubringen.

Die Nisthilfe muss an einem sonnigen und trockenen Standort aufgestellt werden. Wenn sie aufgehängt wird, muss man darauf achten, dass sie nicht pendeln kann. Außerdem brauchen die Wildbienen für das Auffinden der Nisthilfe eine freie Anflugschneise.

Weitere Informationen

Gefährdete Wildbienen - Nisthilfen für Wildbienen und Lebensräume schaffen



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