Einweihung des „Grünen Klassenzimmers Kerksiek“

Distelfalter, Alex Koschel
Kleiner Fuchs, Bernd Kayser
Zitronenfalter, Bernd Kayser
Tagpfauenauge, Alex Koschel

 

Von April bis zum 15.5. wurden in und für einige Wolfsburger Grundschulen und KITAs Distelfalter gezüchtet. Nacheinander erlebten die Kinder die Stadien der Raupe, der Puppe und der geschlüpften Falter. Diese wurden am 15. Mai im „Grünen Klassenzimmer“ auf dem Kerksiek freigelassen.


Seit Jahren erfreuen uns die beiden Wolfsburger Naturfotografen Alex Koschel und Bernd Kayser mit wunderschönen Schmetterlingsbildern. Vier ihrer schönsten Bilder haben sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Die ersten 300 Teilnehmer des „Faltertages“ am Sonntag, den 15. Mai erhielten ein DIN-A-3-Poster von einem der vier Schmetterlinge.


Weitere Informationen hier...


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Zur Einstimmung einige Schmetterlings-Geschichten:


Ein Schmetterling erinnert sich

Es war an einem schönen Sommertag im August. Über den Disteln flatterten Schmetterlinge. Sie setzen sich auf die Disteln, entrollten ihr langes Saugrohr und steckten es in die kleinen blauvioletten Distelblüten hinein.

Die Blüten der Disteln sind winzig und viele stehen zusammen und bilden das, was wir eine Distel nennen.

Der Schmetterling zieht sein Saugrohr aus einer Blüte wieder heraus, wenn es dort nichts mehr zu trinken gibt, und steckt es in die nächste Blüte. Er möchte den süßen Saft, den man Nektar nennt, vom Grund der Blüten trinken.

Da Schmetterlinge keine Zähne und keinen Mund haben, können sie nichts fressen. Sie haben nur diesen Saugrüssel, der manchmal so lang wie ihr ganzer Körper ist. Damit der Schmetterling beim Gehen nicht über den langen Saugrüssel stolpert, wird er eingerollt, solange er nicht benötigt wird. Sie können also nicht fressen, sondern nur trinken. Sie suchen den ganzen Tag nach dem süßen Zuckersaft. Sie sind richtige Saft-Säufer.

Jetzt landete ein schöner Distelfalter und begann mit seinem langen Saugrüssel nach Nektar zu suchen. Immer wieder steckte er den Saugrüssel in eine der winzigen Distelblüten und saugte.

Danach setzte er sich auf ein Blatt der Distel, breitete die Flügel aus und sonnte sich. (Abb. Distelfalter mit ausgebreiteten Flügeln)

Da hing über ihm an einem Blattstängel eine kleine, längliche, hellbraune Röhre aus geschrumpelter Haut. Diese hellbraune Haut kam dem Distelfalter bekannt vor.

Und wie er da saß, sich sonnte und zu dem braunen Hautsack sah, da erinnerte er sich an seine Kindheit:

Hier auf einer solchen disteligen Pflanze muss ich geboren worden sein. Ich war eine kleine braunschwarze Raupe. Als Kind hatte ich immer Hunger. Ich fraß von den Blättern dieser Pflanze: Morgens, mittags und abends. Ich konnte den ganzen Tag fressen; ich war also ein richtiger Vielfraß, während ich heute eher ein Säufer bin. Heute könnte ich den ganzen Tag diesen köstlichen süßen Saft trinken. Aber als Kind wollte ich immer nur Blätter fressen. (Abb. Distelfalterraupe)

Weil ich so viel fraß, wuchs ich sehr schnell. Ich wuchs und fraß und fraß und wuchs. Und da meine Haut nicht mit wuchs, wurde sie mir bald zu eng wie ein zu kleines Hemd. Da platzte das Hemd auf und ich konnte hinaus kriechen, weil mir inzwischen schon ein neues Hemd, ich meine eine neue Haut gewachsen war. Das passierte mehrmals. So wuchs ich von einem winzigen Räupchen zu einer stattlichen Raupe.

Irgendwann wurde ich sehr müde. Ich legte mich in mein letztes Hemd, meine letzte Haut und schlief ein. Als ich dann erwachte, war es wohl wieder Zeit, das Hemd zu wechseln. Meine Haut war wieder zu eng geworden; sie platzte am Kopf auf und ich krabbelte mühsam durch das Loch heraus.

Jetzt fühlte ich auf meinem Rücken vier dünne krumpelige Säckchen. Was war das? Ich ließ sie erst herunterhängen, weil ich nicht wusste, was ich damit anfangen sollte. Weil sie nach unten hingen, lief das Blut hinein, wie bei einem Menschen, der mit dem Kopf nach unten hängt. Sie dehnten sich, wurden größer und größer und entfalteten sich zu Flügeln. Dann bin ich irgendwann weggeflogen und wusste, dass ich nun erwachsen geworden war. Denn Schmetterlings-Kinder können ja nicht fliegen. So wurde ich vom vielbeinigen Vielfraß zum sechsbeinigen Flieger und Säufer. Oh ich habe Durst!“

Da flog der Distelfalter zur nächsten Blüte.


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Zwei kleine Füchse begegnen sich

Der kleine Fuchs, Reinecke genannt, wurde in einem Fuchsbau geboren. Eines Tages wagte er es, die Höhle zum ersten Mal zu verlassen. Langsam schlich er Schrittchen für Schrittchen an der Höhlenwand entlang, dorthin, wo ihm die frische Waldluft entgegenduftete. Auf seinen tapsigen Beinchen wackelte er um eine Biegung des Ganges, und da sah er es wieder: Das Licht!

Eine ganze Weile saß er vor dem Ausgang und blinzelte hinaus in das Tageslicht. Ob das helle Wunder da draußen wohl gefährlich ist? Einen Augenblick wartete er noch, dann aber wurde seine Neugier stärker als die Angst vor dem Unbekannten. Er kroch ganz nach draußen. Und nun hörte er deutlich das, was er im Fuchsbau nur gedämpft vernommen hatte:

Er hörte die Vögel zwitschern. Die kleinen, mit Federn bedeckten bunten Tiere flogen vor der Höhle von Baum zu Baum hin und her.

Bald sah er etwas Neues. Er sah ein buntes Flatterding durch die Luft gaukeln und meinte nachdenklich: „Ein Vogel ist es nicht, und Frösche fliegen nicht so hoch; was könnte das für ein Tier sein? He, du da oben, was bist du für ein Flattertier?“, fragte er.

„Ich bin ein kleinen Fuchs“, antwortete der Schmetterling.

„Ein kleiner Fuchs bin doch ich“, erwiderte Reineke, „wie kannst du ein solcher sein?“

„Kleiner Fuchs ist mein Name; ich gehöre zu den Schmetterlingen“, erklärte der kleine Falter. „Bevor ich ein kleiner Fuchs wurde, war ich eine Puppe.“ „Eine Puppe?“ Reinecke fiel es immer schwerer, das kleine Tier zu verstehen. „Was ist eine Puppe?“

„Eine Puppe war einmal eine Raupe und wird ein Schmetterling.“ „Das verstehe ich aber nun wirklich nicht“, sagte der Jungfuchs, „warst du denn auch schon einmal eine Raupe?“

„Gewiss“, entgegnete der Schmetterling, „als ich kein Ei mehr war, da wurde ich eine Raupe, und später eine Puppe.“

Reineke strengte sein kleines Fuchsköpfchen an und versuchte, das Gehörte zu ordnen. „Dann warst du zuerst ein Ei, danach eine Raupe, dann eine Puppe und nun bis du ein Schmetterling, der „kleiner Fuchs“ heißt- und das soll ich dir glauben?“

„Schmetterlinge lügen nie“, stellte der kleine Falter fest und startete zu einem neuen Flug.

(Quelle: Günther Paffrath)


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Das Zitronenfalterweibchen im Vorfrühling

Es war einer der sonnigen, windstillen Tage im April. Wenn man sich in die Sonne stellte, dann spürte man, wie die Sonnenwärme den Körper durchdrang und erwärmte. Auch die dunklen Rinden der noch kahlen Bäume erwärmten sich auf der Sonnenseite. In einer tiefen Ritze der groben Borke eines Baumstammes hatte ein Zitronenfalterweibchen den Winter zugebracht. Mit seinen aneinander gelegten blassgelben Flügeln könnte man es für ein Stück gefrorenes, hellgelbes Papier halten.

Aber jetzt bewegten sich die Flügel, schoben sich langsam aus der Baumritze heraus und klappten die Flügel auseinander, um die wärmenden Sonnenstrahlen einzufangen. So blieb das Falterweibchen eine ganze Zeit sitzen. Es tankte Wärme. Langsam tauten die von der Kälte steifen Flügel auf. Und dann flatterte es los. Noch ein bisschen unbeholfen flatternd und nicht schnell fliegend wie ein Vogel.

Der Schmetterling flog am Rand einer Hecke aus Dornsträuchern entlang, so als suchte er etwas. Die Sträucher der Hecke waren noch kahl ohne grüne Blätter. Sie verharrten noch in der Winterruhe.

Nur die Weiden hatten schon gelbe und silbern glänzende Kätzchen geöffnet und die ersten Bienen angelockt. An anderen Weidenbüschen gab es unscheinbare grüne Kätzchen. Unser Zitronenfalterweibchen konnte sie kaum erkennen, wurde aber von dem Duft der Kätzchen unwiderstehlich angezogen. Es konnte gut riechen. Nicht die gelben Pollen der Kätzchen interessierten den Schmetterling. Nein der

betörende Geruch zeigte ihm das Vorhandensein von süßem Saft, von Nektar an.

Er landete auf dem ersten Kätzchen und entrollte eilig seinen spiralig aufgerollten Saugrüssel. Diesen steckte er zwischen die kleinen grünlichen Schuppen. Dann trank er und sobald es hinter einer Schuppe keinen Nektar mehr gab, zog er den Saugrüssel heraus und steckte ihn hinter die nächste Schuppe. Nach dem langen Winter hatte er großen Hunger oder sollte man besser sagen Durst? Von Hunger kann man bei einem Schmetterling schlecht sprechen, weil man dann ans Essen denkt. Schmetterlinge aber haben weder Zähne zum Beißen noch einen Mund, in den man etwas hineinstopfen kann. Sie haben nur einen Saugrüssel, können also nur flüssige Nahrung aufnehmen, also trinken. Das Falterweibchen flog von Weidenkätzchen zu Weidenkätzchen und trank und trank.


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Tagpfauenauge und Zitronenfalter- eine Begegnung

Auf einer Distel saß ein Tagpfauenauge und trank Nektar. Es hatte seine Flügel zusammengelegt und sah durch die dunklen Flügelunterseiten aus wie ein unscheinbares Blatt. (Abb. zeigen) Jetzt kam ein Zitronenfalter herangeflogen, roch den Nektar der Distel und setzte sich auf dieselbe Distel, ohne des Tagpfauenauges gewahr zu werden. Da schlug das Tagpfauenauge seine Flügel auseinander, so dass man jetzt die Oberseite seiner Flügel und auf ihnen die großen Augen sehen konnte. (Abb. zeigen) Der Zitronenfalter erschrak und rief dann: „Oh, wie habe ich mich erschrocken. Ich dachte wegen der großen Augen, da säße ein großes Tier. Nun bin ich aber froh, dass du auch nur ein Schmetterling und kein gefährliches Tier bist. Ich heiße Zitronenfalter. Und wer bist du?“ „Ich bin das Tagpfauenauge, so genannt wegen der großen Augenzeichnung auf meinen Flügeln“, antwortete der Schmetterling. „Damit kannst du jemanden aber sehr erschrecken. Erst denkt man, da sei nur ein unscheinbares Blatt und plötzlich sehen dich zwei riesige Augen an“, meinte der Zitronenfalter. „Das ist ja auch der Sinn meiner Flügelzeichnung: Unten unscheinbar und gut getarnt bei zusammengelegten Flügeln und oben mit großen Augen zum Erschrecken. Das hat mir schon einmal das Leben gerettet, als mich ein Vogel fressen wollte. Ich habe meine Flügel ganz plötzlich auseinander geschlagen. Da haben den Vogel die großen Augen angesehen und er ist weggeflogen“, erzählte das Tagpfauenauge. „Und was tust du, damit dich die Vögel nicht so leicht erkennen“? fragte das Tagpfauenauge. „Ich klappe wie du immer meine Flügel zusammen, wenn ich nicht gerade fliege oder mich wärmen will. Dann sehe ich aus wie ein gelber Strich oder wie eine gelbe Blume. Aber so gut getarnt wie du bin ich nicht. Dafür habe ich unter den Flügeln ein hübscheres Schuppenkleid als du“, erwiderte der Zitronenfalter. Nun zog er seinen Rüssel aus der Distelblüte, rollte den Rüssel zusammen und rief: „Tschüss, du dunkles Blatt mit den großen Augen“.



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