Hecken

Schwarzdornblüte

Hecken sind grüne Adern, die die Landschaft durchziehen. Sie verbinden Feldgehölze und Wälder. Sie sorgen für die Vernetzung von sonst isolierten Lebensräumen. An und in ihnen entlang wandern Rebhühner, Hermeline, Spitzmäuse, Igel, Haselmäuse, Amphibien und Schnecken. Viele Tiere finden dort Nahrung: Insekten saugen den Nektar der Blüten und fressen von den Blättern. Vögel und Säugetiere ernähren sich von den Früchten. Vögel bauen dort ihre Nester und die Insektenfresser unter ihnen sorgen dafür, dass die Insekten nicht überhand nehmen. Die Hecke bietet Singvögeln, Rebhühnern, Mäusen, Spitzmäusen, Hermelin und Haselmaus Schutz vor Greifvögeln. Schmetterlinge fliegen im Windschutz der Hecken und können nur so manche Strecken überwinden.

Und doch kann die Hecke für Tiere zur Falle werden, wenn die Hecke keinen blumenreichen Saum aufweist.

Die Rebhühner führen ihre jungen Küken nahe an der Hecke entlang, so dass sie beim Auftauchen eines Greifvogels schnell unter der Hecke Schutz suchen können. Die Längsersteckung der Hecke bestimmt den Weg der Rebhühner. Während die erwachsenen Rebhühner die Samen von Gräsern und die Körner eines benachbarten Getreidefeldes sowie Regenwürmer und Schnecken fressen, haben die Küken der Rebhühner ein Nahrungsproblem. Sie vertragen noch keine Körnernahrung; Schnecken und Regenwürmer sind häufig zu groß. Sie benötigen aber dringend eiweißreiche, tierische Nahrung: Das sind überwiegend Insekten. Anders als die Insektenfresser unter den Singvögeln, die ihre Nahrung auf den Heckensträuchern finden, müssen sie am Boden ihre Nahrung suchen. Sie finden sie vor allem auf niedrigen Blumen! Ohne einen blumen- und insektenreichen Heckensaum haben die Küken des Rebhuhns schlechte Aufwuchs-Chancen. Das gilt auch für die junge Hasen, die unterschiedliche Kräuter als Nahrung benötigen.

Einen blumenreichen Heckensaum, einen „Rain“ könnte man auch als eine schmale, lang gestreckte Schmetterlingswiese bezeichnen. Schmetterlinge benötigen rote, blaue, violette, und gelbe Blumen, aus denen sie mit ihren langen Saugrüsseln den süßen Blütensaft, den Nektar saugen. Also ohne farbige Blüten keine Tagschmetterlinge wie Tagpfauenauge, Admiral, kleiner Fuchs, Trauermantel oder Distelfalter, um nur einige zu nennen. Sie brauchen also eine blumenreiche Wiese, eine Schmetterlingswiese.


Aber was ist mit den „Schmetterlingskindern“? Schmetterlingskinder sind Raupen, die sich häufig nur von den Blättern einer bestimmten Pflanze ernähren und keine anderen Pflanzen vertragen. Bei manchen Schmetterlingsarten sind das bestimmte Heckensträucher: Die Raupen des Ligusterschwärmers benötigen als Nahrung die Blätter des Ligusterbusches. Die Zitronenfalterraupe frisst nur die Blätter von Faulbaum oder Kreuzdorn. Findet das Zitronenfalterweibchen zur Eiablage keinen Faulbaum oder Kreuzdorn, also eine artenreiche Hecke, dann hat es keine Chance auf Nachkommen. Finden die auf dem Faulbaum der Hecke frisch geschlüpften Zitronenfalter nicht bald eine „Schmetterlingswiese“, verhungern sie.

Fazit: Jede Hecke ist eine Bereicherung der Agrarlandschaft und ein wichtiger Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Aber eine Hecke mit einem blumenreichen Saum, einer lang gestreckten Schmetterlingswiese, ist notwendig für manche Tiere und zugleich schön zum Ansehen für die Menschen.

In der von uns „geretteten“ Hecke auf dem Kerksiek wachsen an vier Stellen Kreuzdornbüsche und an einer Stelle Faulbaumsträucher.
Auf unserer im November bepflanzten Fläche am Ehmer Altdorf haben wir u.a. 40 Faulbaum-Sträucher und 40 Ligusterbüsche gepflanzt.
An beiden Stellen fehlt aber ein blumenreicher Saum; eine Schmetterlingswiese ist weit und breit nicht zu finden. Hier sollten wir im Mai/Juni durch Anlage von blumenreichen Heckensäumen aktiv werden. 



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